„IQ um 9″ am 07. Juli 2026: „Anerkennungsverfahren bei der IHK FOSA“
Wie gelingt internationalen Fachkräften der Nachweis ihrer beruflichen Qualifikation in Deutschland? Beim fünften „IQ um 9″ am 07. Juli 2026 gab Mersiha Arnaut von der IHK FOSA (Fachstelle für die Anerkennung ausländischer Abschlüsse) in Nürnberg Einblick in das Anerkennungsverfahren – und zeigte, wie Zentralisierung und digitale Prozesse die Anerkennung beschleunigen.
Allein im Jahr 2025 hat die IHK FOSA 10.000 Anerkennungsbescheide erteilt – ein Beleg dafür, dass digitale Antragstellung und klare Kommunikation funktionieren, wie auch das Beispiel von Fares Salah aus Tunesien zeigt, der das Verfahren als „einfach, praktisch und schnell” beschrieb.
Mersiha Arnaut stellte zunächst die rechtlichen Grundlagen vor: Das Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz (BQFG) besteht seit April 2012 und ermöglicht für rund 250 duale IHK-Ausbildungsberufe sowie ca. 80 Fortbildungsabschlüsse den Vergleich zwischen ausländischer Ausbildung und deutscher Ausbildungsordnung – unabhängig von Staatsangehörigkeit und Sprache. Anträge können auch aus dem Ausland und digital gestellt werden, und Berufserfahrung wird bei der Bewertung berücksichtigt.
Wichtig für die Beratungspraxis: Während reglementierte Berufe (z. B. Arzt, Steuerberater, Lehrer) in die Zuständigkeit anderer Kammern und Behörden fallen, ist die IHK FOSA zentral zuständig für nicht reglementierte Berufe aus Industrie, Handel, Gastronomie und Dienstleistungen.
Frau Arnaut erläuterte den Ablauf des Anerkennungsverfahrens: Nach der Anerkennungsberatung bei der IHK und der Antragstellung bei der IHK FOSA wird zunächst geprüft, ob Referenzberuf und Unterlagen vollständig sind. Es folgt die Gleichwertigkeitsprüfung – bei wesentlichen Unterschieden kann ein Ausgleich durch Berufserfahrung oder Weiterbildung erfolgen, andernfalls führt eine Anpassungsqualifizierung zur vollen Gleichwertigkeit. Die Standard-Entscheidungsfrist beträgt drei Monate.
Als bundesweites Kompetenzzentrum von 76 IHKs in Nürnberg sorgt die IHK FOSA durch Zentralisierung für einheitliche Entscheidungen und bündelt Länderexpertise zu Ausbildungssystemen weltweit. Mit Sprachkompetenz in 28 Sprachen auf Erstsprachenniveau – darunter Ukrainisch, Polnisch und Arabisch – sowie schnellen, digitalen Verfahren auch auf Englisch wird der Zugang für internationale Fachkräfte erheblich erleichtert.
Besonders praxisrelevant waren die konkreten Tipps für die Beratung: die Nutzung der Bund-ID (E-Mail und Passwort genügen), der Verzicht auf Übersetzungen bei englischsprachigen Dokumenten, die Bedeutung einer Bevollmächtigung zur
Verfahrensvereinfachung sowie – seit Juni 2026 neu – ein QR-Code zur Verifizierung der Authentizität des Anerkennungsbescheids.
Die Diskussion mit den Teilnehmenden war besonders lebhaft und engagiert. Viele Fragen zeigten das große Interesse an den praktischen Aspekten und Fallstricken der Antragstellung, insbesondere zu Fristen, Dokumentenqualität und dem Umgang mit Anpassungsqualifizierungsplänen. Die zentrale Botschaft zum Mitnehmen: Anerkennung ist kein bürokratisches Nadelöhr, sondern – nicht ganz einfach, aber bei guter Vorbereitung und den richtigen Informationen – ein klar strukturierter, machbarer Weg, der durch die Möglichkeit der Online-Antragstellung zusätzlich erleichtert wird.
„IQ um 9″ macht nun Sommerpause im August und September. Die nächste Ausgabe findet am 06. Oktober 2026 statt. Danach läuft die Reihe bis Dezember im gewohnten Rhythmus – jeweils am ersten Dienstag im Monat. Thema und Referent*in werden zeitnah bekanntgegeben.
Wie immer gilt: Sollten Sie auf eine Wissenslücke stoßen, selbst Expert*in sein oder jemanden kennen, der bzw. die zu unserem Wissens- und Erfahrungsaustausch eingeladen werden sollte, melden Sie sich gerne bei uns. Wir nehmen Ihre Vorschläge
