IQ um 9″ am 06. Oktober 2026: „Deutsch als Schlüssel zum Erfolg im Beruf – Sprachkompetenzen einordnen“
07.10.2026
Am 06. Oktober 2026 fand die sechste Ausgabe der Veranstaltungsreihe „IQ um 9″ statt, die erste nach der Sommerpause. Das Regionale Integrationsnetzwerk für internationale Arbeitskräfte (RINIA) IQ NRW-Ost setzte damit die Informationsreihe fort und richtete den Fokus auf eine zentrale Frage: Welches Sprachniveau braucht man im Berufsalltag wirklich, und wie lassen sich Deutschkenntnisse richtig einordnen?
Nina Hoferichter – Referentin für Migration und Fachkräfteeinwanderung beim Goethe-Institut – gab in ihrem interessanten und mitreißenden Vortrag praxisnahe Antworten. Zum Einstieg stellte sie das Goethe-Institut vor: Es ist mit 154 Instituten in 100 Ländern vertreten, davon 12 in Deutschland. 2025 zählte es 256.000 Kursteilnahmen und 1,1 Millionen abgelegte Prüfungen. Über Sprachkurse und Prüfungen hinaus bietet es Angebote zur Vorbereitung auf Arbeit und Ausbildung in Deutschland sowie Fortbildungen für Lehrkräfte und ist Partner in Rekrutierungsprogrammen. Als Grundsatz nannte sie faire und ethische Migration.
Dass Deutsch für den Beruf wichtig ist, belegte sie mit Studien des IAB: Die Hälfte der Betriebe fordert bei Einstellungen mindestens ein B2-Niveau, und besonders kleine und mittlere Betriebe sind zurückhaltend, wenn Sprachkenntnisse fehlen. Zugewanderte mit guten Deutschkenntnissen beim Zuzug nehmen im Durchschnitt zudem schneller eine Erwerbstätigkeit auf, und dieser Unterschied bleibt über mehrere Jahre bestehen.
Anschließend erläuterte sie, wie sich Sprachniveaus und Zertifikate einordnen lassen. Für Ausbildung und Beruf sind vor allem B1 und B2 relevant: B1 reicht für das Visum und den Weg nach Deutschland, eine selbstständige Sprachanwendung, etwa in der Berufsschule, ist aber erst ab B2 möglich. Ihr Tipp für die Beratung: Zertifikate differenziert lesen. Entscheidend sind die Ergebnisse in den vier Fertigkeiten (Lesen, Hören, Schreiben, Sprechen) und die erreichte Punktzahl, nicht nur das Niveau. Ein Zertifikat zeigt den Sprachstand zum Prüfungszeitpunkt, hat also keine Gültigkeitsdauer, und Prüfungen bilden nicht jede berufliche Kommunikationssituation ab. Die Echtheit eines Goethe-Zertifikats lässt sich Online unten https://verify.goethe.de/verify überprüfen.
Zu den Gelingensbedingungen für den Spracherwerb betonte Frau Hoferichter, dass Deutschlernen ein individueller, lebenslanger Prozess ist. Wie schnell er verläuft, hängt unter anderem von der Erstsprache, von Lernerfahrung und Schulbildung, vom Alter sowie von der verfügbaren Zeit ab. Wichtig sind außerdem qualitativ hochwertiger, anwendungsorientierter Unterricht, bei dem alle Fertigkeiten geübt werden, und regelmäßige Zwischenprüfungen, um gezielt an Schwächen zu arbeiten.
Für Betriebe gab es konkrete Tipps zur Kommunikation im Arbeitsalltag: klare Anweisungen statt versteckter Verbote oder komplizierter Höflichkeitsfloskeln, allgemeinverständliche Angaben statt regionaler Ausdrücke und nachvollziehbare Erklärungen statt Amtsdeutsch. Hilfreich sind außerdem die Checkliste zu Deutschkenntnissen ausländischer Azubis und Fachkräfte sowie die mehrsprachigen Vokabelflyer des Netzwerks „Unternehmen integrieren Flüchtlinge”.
Zum Schluss stellte sie kostenlose Lern- und Übungsangebote des Goethe-Instituts vor, darunter einen Einstufungstest, Deutsch-Übungen für den Arbeitsplatz, KI-Spiele wie „Mein erster Arbeitstag”, Infotexte zum Leben in Deutschland in 29 Sprachen, den Online-Aussprachetrainer und die Vokabeltrainer-App. Wer ein selbstständiges Online-Training sucht, findet es mit „Deutsch Training Online”. Lehrkräfte im Hotel- und Gastgewerbe können sich außerdem für die Onlinefortbildung „Sprache trifft Ausbildung” anmelden, die am 16. November 2026 startet.
Die Veranstaltung machte deutlich: Deutschkenntnisse sind ein Schlüssel zur beruflichen Integration – aber Sprachniveau ist nicht gleich Sprachniveau. Wer Zertifikate differenziert liest, Lernende gezielt begleitet und im Betrieb klar und verständlich kommuniziert, schafft die Grundlage dafür, dass Fachkräfte erfolgreich ankommen und bleiben.
Die Diskussion mit den Teilnehmenden war lebhaft und engagiert. In einer Umfrage zu Beginn zeigte sich, was die Teilnehmenden aktuell am stärksten beschäftigt: die Verfügbarkeit und Finanzierung von Sprachkursen, die Einschätzung von Sprachkompetenzen sowie die Lebenssituation und die Lernvoraussetzungen der Lernenden. Auch die Aufgeschlossenheit von Betrieben für geringe Deutschkenntnisse wurde thematisiert. Besonders betont wurde, dass Sprachkurse auch neben der Beschäftigung möglich sein sollten, denn lange Wartezeiten schwächen die Qualifikation.
Viele Fragen betrafen praktische Aspekte: ob Goethe-Prüfungen auch online abgelegt werden können, wie lange ein Sprachstand nach einer Prüfung aussagekräftig ist und welche kostenlosen Online-Lernangebote es gibt. Ergänzend nannten Teilnehmende selbst weitere Angebote. Großes Interesse bestand außerdem an den Unterrichtsmaterialien des Goethe-Instituts. Hier finden Sie den Link zu den kostenlosen Unterrichtsmaterialien, den Frau Hoferichter mitgeteilt hat: [Deutschstunde Portal – Goethe-Institut]
Die zentrale Botschaft zum Mitnehmen:Sprache lernt man nicht nebenbei – aber mit dem passenden Niveau, guter Begleitung und klarer Kommunikation im Betrieb ist der Weg in den Beruf gut machbar.
Die nächste Ausgabe von „IQ um 9″ findet am 03. November 2026 statt. Camilla Piovesan von CReAM@RFBerlin spricht zum Thema „Employment of Immigrants: Progress, Persistent Gaps and Untapped Potential”. Die Veranstaltung findet erstmals auf Englisch statt.
Danach folgt am 01. Dezember 2026 die letzte Ausgabe des Jahres. Thema und Referent*in werden zeitnah bekanntgegeben.
Wie immer gilt: Sollten Sie auf eine Wissenslücke stoßen, selbst Expert*in sein oder jemanden kennen, der bzw. die zu unserem Wissens- und Erfahrungsaustausch eingeladen werden sollte, melden Sie sich gerne bei uns. Wir nehmen Ihre Vorschläge jederzeit auf!
